• WERK 2 präsentiert:

    Konzert

    Lion Sphere, Atlas Bird, Still Trees

    Atlas Bird (Foto: Marco de Haunt)

    Still Trees (Foto: Martin Köhler / HNDGMCHT)

    Lion Sphere

    Ein Abend - drei Bands - klingt ja irgendwie nach Quantität... Ah, ah, ah, so aber nicht. Überzeugt euch von Lion Sphere, erst kürzlich mit Mighty Oaks auf Tour, von Atlas Bird, die die schönsten Bandfotos haben und Still Trees, die Jungen mit einer gewissen britischen Rotzigkeit.

    LION SPHERE
    Vier junge Musiker aus Berlin, die sich gerade erst auf den Weg machen. Der Weg ist beileibe nicht das Ziel, aber das veränderliche Ziel gibt die Wahl der Wege vor.

    Lion Sphere – Future Soul aus Berlin
    Die Perspektiven, die sich so eröffnen, zetteln immer neue Möglichkeiten an. Sänger Joel Montagud, Keyboarder Dominik Petzold, Gitarrist Karim Hegazy und Drummer Fabian Rösch wissen genau, was sie miteinander wollen, doch sie gönnen sich den Luxus der Offenheit, gleichzeitig unterschiedliche Wege zu beschreiten. Nicht jedes Mitglied der Band muss immer dieselbe Abbiegung nehmen, denn je mehr Pfade man sich erschließt, aus desto mehr Richtungen kann man sich immer wieder dem gemeinsamen Punkt annähern.

    Genau darum geht es bei Lion Sphere. Ihre Debüt-EP ist ein Spiel mit diesen Möglichkeiten. Nichts ist definiert, alles machbar. Der Katalog der gemeinsamen Bewegungsräume ist viel größer, als diese sechs Songs vermuten lassen. Die vier Musiker haben sich nicht im sprichwörtlichen Sandkasten kennengelernt, auch nicht in der Garage hinterm Haus ihre kollektive Sprache gefunden, sondern sind jüngst beim Musikstudium in Berlin aufeinander getroffen.

    Das Unvermeidliche geschah. Sie legten los, nahmen Sackgassen in Kauf, gaben sich nicht mit übereiltem Zuspruch zufrieden. Es ging von Anfang an um Musik, nicht um eine gemeinsame Herkunft. Ihr Grundsound ist deshalb viel mehr als nur ein durchtriebenes Spiel mit Rock, avantgardistischem Pop und verschiedenen Aromen von Jazz, elektronischer Musik und Ethno-Einflüssen.

    ATLAS BIRD
    Ein Wesen zwischen den Welten mit Flügeln, die viel zu lang verharrten und Beinen, die schwer geworden waren. Zwischen Sehnsucht und Zuversicht breitet es nun mit neugewonnener Erhabenheit seine Schwingen aus und schwebt zu all den Zufluchtsorten, die sich in den Tälern versteckt hatten.

    Atlas Bird stehen bis zu den Knien im kantigen Post Rock Fundament und richten ihren Blick auf die große Harmonie. Aus rohen Brocken hauen sie großflächige Pop Songs, die sie in gleichzeitig massiven und verträumten Arrangements umsetzen.

    Nach ihrer Debüt Single Voyage beweisen Atlas Bird mit Isolate erneut, dass sie eine Schwäche für epische Songs haben. Die düstere Hymne arbeitet sich durch steiniges Terrain zu einem Refrain hoch, der versöhnlicher klingt als er ist. Bei allen Kanten steht über allem immer die erhabene Gesangslinie. Durch verspielte Details und viel Dynamik schafft es Isolate direkt ins Langzeitgedächtnis. Und so zeigt die Band, dass im aufgeräumten Dreier-Arrangement noch Platz ist für eine hypnotische Synthie-Linie, die sich stoisch durch den ganzen Song zieht.

    STILL TREES
    Alles wird schneller, elektronischer, unwirklicher. Man muss erst in ein sächsisches Kaff fahren, um zu merken, dass es auch anders geht. Still Trees verkörpern das, was lang nicht mehr da war -Rock ́n ́Roll! Es scheint so, als würde der Mersey Sound seinen zweiten großen Erfolg feiern und die britische Rotzigkeit endlich wieder Anklang finden. Wahrscheinlich ist es die Kleinstadttristesse, die Still Trees aufsaugt und sich selbst und ihr Publikum woanders hinschweben lässt...

    Halle D, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, VVK: 12 €