Sorvina / credits: Shannon Kone

Sarah Farina / credits: Guarionex Rodriguez jr.

Jazztage Leipzig & WERK 2 präsentieren: 

Jazz

Freitag, 23. Oktober 2026

Sorvina

Im Anschluss: Sarah Farina (DJ Set)

Halle D | Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, AK: 29€/ermäßigt 24€, VVK: 24€/ermäßigt 19€

Inspiriert von der Dynamik Schwarzer Musiktraditionen und ihrer eigenen Lebensreise, verbindet Sorvina Jazz Rap, Neo-Soul, Gospel und Alternative Hip-Hop. Ihre Songs erzählen von Selbstentdeckung, Queerness, Heilung und Lebensfreude, die getragen werden von einer Stimme, die unverkennbar ihre ganz eigene ist.
Es gibt diese Konzerte, die noch sehr lange nachwirken. Konzerte, bei denen eine Person auf der Bühne so viel Lebensfreude und Power ausstrahlt, dass man sich ganz aufgeladen fühlt und man für einen Moment glaubt, das eigene Leben müsse sich jetzt gleich verändern, man müsse mehr wagen, mehr fühlen, noch mehr rausholen. Und zwar nicht aus Unzufriedenheit, sondern allein durch die Inspiration des gerade Erlebten. Also im gänzlich positiven Sinne. Genau dieses Gefühl dürfte Sorvina schon bei vielen Menschen nach einem Konzertbesuch hinterlassen haben.

Die in New York geborene und heute in Berlin lebende Künstlerin verbindet Jazz Rap, Neo-Soul, Gospel und Alternative Hip-Hop zu einem Sound, in dessen Zentrum stets ihre Stimme steht. Mal kraftvoll und soulig, mal verletzlich und verspielt, stets getragen von einem ausgeprägten Gespür für Rhythmus und Sprache.

Ihre Songs erzählen von Selbstfindung, Queerness, Heilung und Freude und schöpfen dabei aus persönlichen Erfahrungen ebenso wie aus der musikalischen Dynamik Schwarzer Musiktraditionen. Sorvina verbindet komplexe Lyrics mit einer unmittelbaren Erzählweise. So entstehen Momente, die sehr persönlich und zugleich erstaunlich weit wirken. Man hört Sorvinas Geschichte und findet darin vielleicht die eigene wieder. Oder die eines Menschen, der einem am Herzen liegt.

Live entfaltet diese Mischung eine ansteckende Energie. Humor trifft auf Verletzlichkeit, Groove auf Reflexion, musikalische Präzision auf unmittelbare Spielfreude. Wer dabei nicht stillsitzen möchte, ist ausdrücklich eingeladen, diesem Sound mit dem ganzen Körper zu folgen. Sorvinas Konzert ist ein Ort zum Zuhören und Nachdenken, aber eben auch zum Tanzen.

Mit einem neuen Leben geht man im Anschluss wahrscheinlich nicht nach Hause. Wohl aber mit der Energie, im eigenen wieder etwas in Bewegung bringen zu wollen.


Wer Lust hat im Anschluss an Sorvinas Konzert einfach gleich weiter das Tanzbein zu schwingen, ist beim DJ Set von Sarah Farina bestens aufgehoben. Die DJ denkt weder in Genres noch in Grenzen. In ihren Sets treffen bassgetriebene Frequenzen und futuristische Beats aufeinander: Bass Music, Breaks, Jungle. Anleihen aus dem Hardcore-Kontinuum verschmelzen mit Einflüssen der frühen Releases von beispielsweise Missy Elliott, Aphex Twin und J Dilla zu etwas ganz Eigenem, das Sarah Farina selbst RainbowBass nennt.

Dabei hört und sieht man nicht nur, wie präzise sie auflegt, sondern vor allem, wie viel Freude sie dabei hat. Kein Wunder also, dass sie bereits drei Boiler Room-Sets spielen durfte. Wer beim vorherigen Konzert von Sorvina schon das Tanzbein geschwungen hat, kann hier also gleich damit weitermachen.

Doch Sarah Farinas Arbeit endet nicht an den Decks, sondern schlägt auch darüber hinaus weite Wellen: Als DJ, Produzentin, Kuratorin und Community-Organisatorin setzt sie sich für eine diverse und offene Clubkultur ein, macht die afro-diasporischen Wurzeln der Underground-Szene sichtbar und schafft mit Projekten wie Emergent Bass und Transmission Räume für Austausch und historisches Bewusstsein. Auch in ihren DJ-Workshops, die sie unter anderem in Ruanda, Uganda, Alexandria und Detroit gibt, geht es ihr darum, Wissen weiterzugeben und vor allem die Freude an Musik, am Auflegen und an Clubkultur zu vermitteln.

Sarah Farina ist international bestens vernetzt – von Underground Resistance über Teklife und Hyperdub bis Buraka Som Sistema. Und trotzdem – oder gerade deswegen? – geht es bei ihr nie darum, wer vermeintlich dazugehört und wer nicht.

(Text: Jil Noack)